Baumhaus im Schlosspark (Niedersachsen, 2014)

Mit Blick auf den Brocken im Park eines alten Schlosses in Niedersachsen bauten wir im August 2014 in einer riesigen Solitärbuche ein Baumhaus über drei Etagen. Nie zuvor ist uns die Symbiose zwischen Haus und Baum besser gelungen als hier. Der Bauherr kannte die Bäume in seinem Park sehr gut und wusste genau, dass er nicht nur diesen Baum für das Baumhaus haben wollte sondern auch wofür: einen Ort des spirituellen Erlebens zu erschaffen, abgeschieden vom Alltag und seinen Verpflichtungen.

Nachdem wir zwei Tage lange im Abstand von acht Wochen gemeinsam im Baum herum geklettert waren und Seile und Latten zur Visualisierung in verschiedenen Ebenen aufgehängt hatten, entstand allmählich in unseren Köpfen und auf dem Papier eine Konstruktion, die sich ausgesprochen organisch in den Baum einfügen sollte.

Eine Leiter aus zwei ungeschälten Ahornstämmen mit ebensolchen Sprossen und einem Rückfallschutz aus drei horizontalen Stahlbögen und drei vertikalen Hempexseilen führt entlang des Stammes auf ein erstes kleines Podest in über acht Meter Höhe. Eine zweite Treppe auch aus Ahornstämmen des schlosseigenen Waldes bringt den Besucher durch eine Bodenklappe auf die Hauptplattform in knapp zwölf Meter, die sich mit cirka 14 Quadratmeter unter den herabhängenden Ästen der weit ausladenden Krone an den Stamm schmiegt. Stammseitig wurden die Balken bei diesem Bauwerk mit wenigen großen Edelstahlbolzen verschraubt. Auf der äußeren Seite wurden sie mit Stahlseilen an den ausladenden Stämmlingen der Buche befestigt, die auch in großer Höhe noch eine Dicke hatten, die Befestigungen und Beweglichkeiten unbedenklich machten. Von der Hauptplattform führt schließlich eine schmale Treppe auf eine weitere Plattform in der Baumkrone in über 15 Metern, die mit etwa zwölf Quadratmetern noch eine kleine Terrasse Richtung Sonnenuntergang und ein kleines Haus mit nur etwa sieben Quadratmetern aber dafür umso mehr Fenstern beherbergt.

Diese Baustelle erfreute unsere Baumhausherzen nicht nur aufgrund des herrrlichen Baumes, sondern auch wegen des fast spielerischen Überflusses an alten Baumaterialien, die sich auf dem Gelände des Schlosses und der angrenzenden landwirtschaftlichen Gebäude entdecken ließen: überall fanden sich Stapel alter Dachstühle oder vor Jahrzehnten aufgesägter und noch nie verwendeter Eichenbretter. Eine alte Tischlerei auf dem Gelände ließ uns die Funde in alle Formate sägen und abrichten, die wir brauchen konnten. Wo wir lieber auf organisches Rundholz zurückgreifen wollten stand uns jederzeit ein Traktor mit Hänger bereit, um aus den Waldbeständen des Schlosses zu holen, was wir brauchen konnten.

Das Ergebnis dieses Überflusses an Materialien, die nicht frisch aus dem Sägewerk oder Baumarkt geliefert wurden, spiegelt sich in vielen Details der Konstruktion wieder und macht sie zu einem außergewöhnlichen Baumwerk.

Der Bauherr erlernte während der Konstruktion der Plattformen die Grundzüge des Baumkletterns und es wurde sein ausdrücklicher Wunsch das Haus mit seinen eigenen Händen zu bauen nachdem die Plattformen, Leitern und Treppen fertig waren.

Eine äußerst unterstützenswerte Sicht der Dinge!