Die Kugel in Kreuzberg (Berlin, 2009)

Den Traum vom ganzjährig bewohnbaren geodätischen Dom gab es schon lange.
Dass es nun kein Dom sondern eine Kugel wurde und wir sie einfach zwischen drei Bäume gehängt haben, erschien im ersten Moment reichlich frech – vor allem der Plan in nur 8 Wochen fertig zu sein.

Nun, es wurden lange 8 Wochen und der Traum vom runden Haus zog sich als dreifacher Aufwand in jedem Detail noch durchs ganze Jahr hindurch. Aber trotz der vielen Stunden und hohen Kosten hat sich der Aufwand mehr als gelohnt.

Vor allem im Inneren ist das Raumgefühl durch das Fehlen jeglicher toter Ecken sowie den vielen Fenstern in allen Richtungen und Ebenen aussergewöhnlich schön. Das leichte Schaukeln verstärkt noch den Abstand zum Boden, zum Alltag, zur Normalität.

Hier nun ein paar technische Details:

Hauptsächliche Bauzeit: März – Mai 2009

Design: Eine geodätische Kugel (V2) aus 80 Dreiecken

Masse: Durchmesser 4m, Wohnfläche 12 qm + 4 qm Terrasse, Innenhöhe max. 2,80m, Keller im unteren Viertel der Kugel mit Klappe im Fussboden, ca. 3,5 Meter über dem Boden;

Aufhängung: Unter dem Fussboden der Kugel läuft ein Stahlrahmen, der zu 4 Halterungen führt, an denen 8 Stahlseile zu 4 Aufhängungspunkten in 3 Bäumen gehen. Zwei seitliche Gummiseile vermindern Schaukelbewegungen. Drei Stufen führen aus der Kugel zur Eingangstür hinunter und auf das Terrassenpodest hinaus. Dieser Bereich steht fest auf dem Boden. Ein Neoprenübergang erlaubt eine abgedichtete relative Bewegung zwischen Kugel und Podest.

Wandaufbau von innen nach aussen: 6mm Mulitplex Birke, Hinterlüftung, semipermeable Dampfbremse, 60mm Hanfplatte, Hinterlüftung, 3mm Multiplex Pappel, Fiberglassmatten, Epoxidharz, Acryllack, 13 dreieckige Fenster aus 10mm Plexiglas, 3 zu öffnen, 4 Waschmaschinenfenster als Bullaugen;

Ablauf: Nach einer ausgiebigen Modellbauphase wurden in der Werkstatt aus 80 Dreiecken sechs Elemente gebaut. Diese wurden temporär zu zwei Halbkugeln zusammengefügt, Fenster und Türen montiert, Epoxy und Lack aufgetragen. Danach wieder in sechs Teile zerlegt und per LKW zum Aufhängungsort transportiert. Dort wurden die Teile wieder montiert und mit Ketten- und Flaschenzügen hochgezogen. Nach der Montage folgte Fenstereinbau, Isolierung, Innenverkleidung, Dielung, Podest- und Treppenbau sowie die Konstruktion des Eingangsbereiches.

Die Inneneinrichtung besteht aus einem flachen Podest mit Leinendach und Vorhängen als Bettbereich, einem Schreibtisch, einer Kommode, zwei Regalen und einem kleinen Waschbecken. Wasser wird mit Kanister hochgebracht und durch den Keller mit einem Schlauch rausgeleitet. Heizung erfolgt durch Holzofen und Gasheizung und zu Weihnachten gab es von der Grossmutter noch einer Lichterkette mit Bewegungsmelder für die Treppe, damit es auch nachts hell genug ist, wenn man mal raus muss.