Über der Mühle im Wendland (Niedersachsen, 2010)

Im Sommer 2010 hatten wir das Vergnügen in 11 Meter Höhe einer uralten Eiche in einer Mühle im Wendland ein Baumhaus mit Terrasse von ca. 32 Quadratmetern zu konstruieren.

Die Auftraggeberin hatte sich einen Platz der Ruhe und Abgeschiedenheit jenseits des Alltags gewünscht: eine Terrrasse Richtung Sonnenuntergang, ein Platz zum Lesen, Malen, ein Abendessen mit Freunden, eine Nacht unter Blättern und Sternen.

Die baulichen Vorgaben des Projektes wurden im wesentlichen durch den Habitus des Baumes bestimmt: sowohl die Position der Plattform als auch die Grösse und Ausrichtung von Haus und Terrasse sollten sich so organisch wie möglich in die Baumkrone einfügen und zusammen mit den Wünschen der Bauherrin entstanden aus ersten Ideen allmählich konkrete Pläne.
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Als Material wurde ausschliesslich unbehandeltes Lärchenholz sowohl für die Balken des Grundgerüstes als auch für die Terrassenhölzer und den gesamten Hausbau verwendet. Die Wände wurden in Stülpschalung von unbesäumten Brettern gebaut, sechs Fenster in den Wänden (eins zum Öffnen) und zwei Velux Dachfenster gewähren einen möglichst umfassenden Rundumblick. Die drei Durchbrüche von Ästen durch Wand und Dach wurden durch Neopren beweglich abgedichtet und das Dach mit Kautschukfolie aus dem Teichbau gedeckt.

Die beiden Hauptträgerbalken wurden mit jeweils drei selbst konstruierten Edelstahl-Garnierschrauben am Hauptstamm befestigt. Weiter unten am Stamm münden in zwei seitliche Metallhalterungen je fünf Diagonalbalken, welche die Haupt- und Querbalken des Podestes an den Enden stützen.

Durch die grosse Höhe kam aus ästhetischen Gründen eine Treppenkonstruktion nicht in Frage, da sie neben dem einzelnen Stamm viel zu massiv gewirkt hätte. Als Alternative kamen daher nur eine Treppe in der Nachbarbuche plus Hängebrücke oder ein Aufzugssystem in Frage. Die Auftraggeberin hatte sich daraufhin einen mit Muskelkraft beweglichen Aufzug gewünscht, den wir nach vielen Wochen des Grübelns auch tatsächlich verwirklichen konnten: beweglich vom Boden, von der Plattform und aus dem Aufzugskorb heraus. Allerdings nur zum Preis von Schweiss und Ausdauer – und dies zum Nachmittagstee – das konnte nicht auf Dauer funktionieren. Und so gab es letztendlich doch noch einen elektrischen Aufzug, der nun ganz entspannt in einer halben Minute die 11 Meter überbrückt.

Zusätzlich gibt es eine Strickleiter, die am Erdboden abgespannt in eine Bodenklappe des Hauses führt – durch die Höhe aber auch nur mit Klettergurt und fest installiertem Sicherungsseil zu benutzen!

Dieses Baumhaus wurde ein grösseres und aufregenderes Projekt als es zunächst erschien und hatte viele kleine und grosse Hürden zu überwinden. Dass es letztendlich doch so erfolgreich funktioniert hat, verdankt es vor allem Kryz, Frank, Henning, Irek und Heike – herzlichen Dank!